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Für eine Reportage begleitet ein Fernsehteam eine Nacht lang eine Feuerwehreinheit bei der Arbeit. Als sie zu einem Haus gerufen werden, in dem eine Frau in ihrer Wohnung eingeschlossen ist, ahnen sie nichts böses. Doch vor Ort eskaliert die Lage sehr schnell: Die Frau attackiert einen Polizisten, der ihr helfen wollte, und Polizei und Gesundheitsamt verriegeln das Haus und lassen niemanden mehr nach draußen. Schnell macht sich Panik unter Bewohnern, Einsatzkräften und dem Filmteam breit. Und das zu Recht.


Der spanische Zombie-Schocker wandelt auf den Erfolgsspuren von Streifen wie "The Blair Witch Project" und zeigt die Ereignisse ausschließlich aus Sicht der verwackelten Kamera des Filmteams. Das gibt dem Film einen hyperrealistischen Anstrich, der den Zuschauer nachhaltig zu verstören vermag. Denn was als routinemäßiger Auftrag beginnt, entwickelt sich bald zum blutigen Albtraum, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.

Dank dieser Kameratechnik, die sozusagen live festhält, wie sich die Dinge entwickeln, kann die Angst der Eingeschlossenen, die sich in nackte Panik verwandelt, hautnah auf die Leinwand übertragen werden. Da rufen und schreien die Menschen wild durcheinander, die Kamera schwenkt hin und her, zeigt mitunter nur einen chaotischen Ausschnitt der eigentlichen Szenen. Dieser konsequente Stil, der sich nur an wenigen Stellen durch falsche Schnitte als gekünstelt verrät, erhebt einen quasi-dokumentarischen Anspruch, der mit der Zeit schweißtreibende Hochspannung erzeugt. Und auch wenn wiederholt Zombies brüllend direkt in die Kamera springen, dürfte das selbst hartgesottene Horrorfans durchaus erschrecken.

Bei all dem ist festzuhalten, dass hier technisch wirklich hervorragende Arbeit geleistet wurde. Der Stil scheint zwar zufällig und authentisch, doch tatsächlich schafft es der Film sehr gut, immer genau das zu zeigen, was der Zuschauer wissen und begreifen muss, um den Fortschritt der Handlung nachvollziehen zu können. Auch diese Handlung selbst ist atmosphärisch dicht und von überzeugender innerer Logik. Einzig das kryptische Albtraumfinale im Dachgeschoss des zombieverseuchten Hauses wirkt etwas schwer verständlich - um diese Wendung zu durchschauen, sollte man sich den zweiten Teil ansehen. Doch auch wenn man hier nicht alles versteht: Dieses Finale gehört definitiv zu den schockierendsten und mitreißendsten Horrorsequenzen der neueren Filmgeschichte.

Angesichts dieser atemberaubenden, ultraspannenden Inszenierung, exzellenter und wohl dosierter Splatter-Effekte und der dichten, beängstigenden Atmosphäre kann man über einige kleine Schwächen - eben falsche Schnitte, teilweise unglaubwürdige Situationen oder mitunter doch etwas zu hektische und damit anstrengende Bildfolgen - hinwegsehen. Und auch aus der Sensationsgier des Reporterteams hätte man mehr herausholen können als die Möglichkeit für den Zuschauer, jede blutige Szene genau zu sehen - hier hätte sich eine gute Gelegenheit für intelligente Selbstreflexion ergeben. Doch auch ohne solchen Anspruch gehört "[REC]" ganz klar zu den intensivsten und cleversten Schockern seiner Zeit.

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